Normalerweise versperrt ein Gitter den Zugang zum Kirchenraum der Wallfahrtskirche St. Anna in Aindorf, nördlich von Markt Indersdorf. Normalerweise. Am Tag des offenen Denkmals am 13. September wird sich das Gitter jedoch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kirchenführungen öffnen. Ebenso wie die Dachstühle von St. Zeno in Bad Reichenhall, St. Michael im Kloster Attel und St. Stephanus in Hohenbrunn. Dieser besondere Tag gestattet eben Einblicke, die sonst nicht möglich sind. Und dazu oft begleitet von sachkundigen Führungen.
In ganz Deutschland laden an diesem Tag Denkmäler zur Besichtigung ein, im Erzbistum sind es rund 60 Kirchen, Abteien, Klöster und Schlösser. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ sind Besucherinnen und Besucher eingeladen, Geschichte, Kunst und Spiritualität an vielen Orten neu zu entdecken.
Wer sich zum Beispiel nach Eching im Landkreis Freising aufmacht, bekommt die Gelegenheit, gleich zwei Kirchen besichtigen zu können. Um 15 Uhr beginnt eine 90-minütige Führung mit dem Diplom-Theologen Gerhard Hroß, Kirchenführer der Erzdiözese München und Freising. Er zeigt die Pfarrkirche St. Andreas, die auf einen romanischen Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert zurückgeht. Und während der Innenraum mit Stuckdekor im Stil des frühen Rokoko verziert ist, stammt der moderne Volksaltar aus dem Jahr 2020. Unmittelbar in der Nähe liegt die neue Kirche St. Andreas aus dem Jahr 1970 von Architekt Friedrich Heindl. Unter der Decke verfügt sie über eine modulare Stahlrohrkonstruktion, wie man sie beispielsweise auch in der Olympiakirche Frieden Christi in München findet.
Der Stadtpark von Traunstein war in seinem Nordteil drei Jahrhunderte bis 1920 ein Friedhof mit der Kirche St. Georg und Katharina in seiner Mitte. Heute ist dieser Teil als Kriegergedächtnisstätte gewidmet und beherbergt neben der ehemaligen Friedhofskirche unter anderem zwei Kriegerdenkmäler des 19. Jahrhunderts. Hier vermitteln laufende Führungen über den ganzen Tag Wissenswertes in der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kirche St. Georg und Katharina, zur Geschichte des Friedhofs und der beiden Kriegerdenkmäler.
Trittsicherheit und Kondition sind erforderlich, wenn man an den Dachstuhlführungen um 11 Uhr oder 14 Uhr in St. Zeno in Bad Reichenhall teilnehmen möchte, denn es geht steile Stiegen hinauf. Wer sonst nur den Kirchenraum kennt, kann hier die Konstruktion des Sakralgebäudes aus dem 16. Jahrhundert, das als größter romanischer Kirchenbau Oberbayerns gilt, aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Der Dachstuhl wurde 2023 bis 2025 unter einem Wetterschutzdach statisch ertüchtigt.
Ein ganzes Dorf gibt es in Thanning, einem Ortsteil von Egling im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, zu besichtigen. Dr. Guido Weber vom Trachtenverein D´Wedlstoana Thanning führt um 10 Uhr, 13 Uhr und 15:30 Uhr zu acht Denkmälern – und er hat viel zu erzählen, von der Volksheiligen Gräfin Justitia, dem Freiheitskämpfer Johann Georg Khidler, vom Eremiten im Kirchturm, vom Kerker und von Skeletten, vom früheren Steuer- und Schulsystem, vom kleinsten Hauseingang und vom kleinsten Hausausgang und von Blockhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts. Und man erfährt auch, was es mit dem Gold der Zimmerleute und der Verbindung zwischen Thanning und dem Grabmal des ersten Kaisers von China auf sich hat. (ra)